Marie-Kathrin

Liebes Tagebuch, …

notebook, notes, pen, writing, diary, paper, fountain pen, journal, write, writing notes, writing, writing, writing, writing, writing, diary, journal, journal

Liebes Tagebuch,

meine Gedanken wandern. Sie wandern zu dem Gespräch von vorhin, das mich so bereichert und berührt hat. Ich habe mich mit den beiden Menschen sehr verbunden gefühlt. Aber nun brauche ich Zeit, um all das zu verarbeiten. Es ist gut, dass ich raus in die Natur gegangen bin und jetzt hier unter meiner Kiefer sitze. Ich spüre ihren Stamm im Rücken und fühle mich gehalten. Eingekuschelt in meine Kapuze, die ich zum Trotz der Kälte aufgezogen habe, schaue ich in die allmählich untergehende Sonne am Horizont. An meinen blanken Händen spüre ich Kälte und ein kühler Luftzug streift meine Wangen. Es tut sehr gut diese Zeilen hier niederzuschreiben. Sie fließen aus mir heraus, ohne dass ich mich anstrengen muss. Es ist schön, mich wieder mit etwas zu verbinden, das mir leicht fällt. Jetzt, wo sich der Wind etwas gelegt hat, spüre ich die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Nach den vielen kalten und grauen Tagen ist das eine so willkommene Abwechslung!

Meinem ständig wandernden Geist tut es unglaublich gut meine Gedanke niederzuschreiben. Es bringt mich innerlich zur Ruhe und die Dinge können sich für mich ordnen. Ich spüre, wie mein Herz beim Schreiben leichter wird und sich wieder mit mehr Freude füllt. Das beklemmende Gefühl in meiner Brust, das in den letzten Tage so oft da war, lässt etwas nach und alles wird wieder weiter, zarter und berührbarer. Mein Herz fühlt sich mit einem Mal so verletzlich an, wie eine kleine Pflanze, die ihre ersten zarten Keimblätter ausgebildet hat und dem Himmel entgegenstreckt. Ich atme erleichtert auf und bin dankbar für diesen Moment.

Ich bin dankbar dafür, dass es so etwas wie Stift und Papier gibt und ich mir die Fertigkeit aneignen konnte zu schreiben. Ich bin dankbar, dass ich mich wieder mehr wie ich selbst fühle und mehr bei mir angekommen bin. Endlich spüre wieder diesen inneren Frieden in mir, den ich in den letzten Wochen so sehr vermisst habe. Hier in der Natur, in der Weite und Stille um mich herum, finde ich wieder zurück in mein inneres Gleichgewicht. Was würde ich nur ohne die Natur und ohne das Schreiben hier tun? Ich atme noch einmal ganz bewusst ein und genieße die kühle, frische Luft dieses späten Frühlingstages, bevor ich mich langsam wieder auf den Heimweg mache.

Das ist ein sehr persönlicher Beitrag und ich bin ehrlich gesagt ziemlich nervös darüber zu schreiben. Ich verspürte aber den Impuls genau dieses Erlebnis zu teilen, weil ich denke, dass es noch viele andere Menschen da draußen gibt, die einen unruhigen und ständig wandernden Geist haben. Wenn du so bist wie ich, dann kennst du das ganz bestimmt auch. Aus den Zeilen kannst du herauslesen, wie gut es mir tut, meinen aktiven Verstand durch das Schreiben zu beruhigen. Daher möchte ich dich dazu einladen, das auch einmal auszuprobieren. Am besten verzichtest du dabei auf den Computer oder andere technische Geräte und schreibst ganz oldschool mit der Hand.

Du kannst dir dafür ein Notizheft mit einem schön gestalteten Einband kaufen, das dich persönlich anspricht. Dadurch baust du direkt einen Bezug dazu auf und machst es zu deinem. Dann brauchst du nur noch einen Stift, mit dem du gerne schreibst – ich empfehle dir einen Füller – und kannst direkt loslegen.

Am Anfang kann es sehr herausfordernd sein, seine Gedanken und sein Innenleben aufzuschreiben. So war es auch bei mir. Durch meine Schulzeit habe ich eine enorm große Schreibblockade entwickelt und saß anfangs ganz frustriert vor meinem Tagebuch, weil ich kein Wort zu Papier bringen konnte. Es hat lange gedauert, bis sich das Schreiben für mich flüssig und natürlich anfühlte. Um meine große Hürde am Anfang abzubauen, half es mir, einfach den nächsten Gedanken aufzuschreiben, ohne ihn zu bewerten oder den Satz schöner oder besser formulieren zu wollen. Als kleine Einstiegshilfe kannst du auch Satzanfänge wie „Ich fühle mich… (traurig, wütend, frustierst, etc.) wählen und dann deinen Gedanken freien Lauf lassen. Ich schreibe nun schon seit einer Weile Tagebuch und aus Erfahrung kann ich dir sagen, dass es mit der Zeit leichter wird, je mehr Übung du darin hast. Mittlerweile kann ich gar nicht mehr ohne Stift und Notizheft aus dem Haus gehen, weil ich das Ausdrücken und Aufschreiben meiner Gedanken und Gefühle so sehr brauche und als Ventil nutze. Schreiben ist für mich Therapie. Daher kann ich dich nur dazu ermutigen, das auch einfach mal auszuprobieren.

Das Tolle ist: Dein Tagebuch gehört nur dir! Vielleicht hast du schon einmal ein Tagebuch mit einem kleinen Schloss davor gesehen. Das unterstreicht dessen Symbolik sehr schön. Es ist dein ganz persönlicher Ort, an dem du alles festhalten kannst, was dich gerade belastet oder beschäftigt und niemand außer dir wird das lesen. Das kann ein ziemlich befreiender Gedanke sein.

Schreiben ist für mich auch eine Form von Selbstausdruck. Im Prozess bringe ich alles, was gerade in mir ist, nach außen und lege all das frei, was meine Seele belastet oder beflügelt.

Wenn du eine regelmäßige Routine aufbauen möchtest, empfehle ich dir, jeden Abend oder jeden Morgen nach dem Aufstehen Tagebuch zu schreiben. Meinen ersten Tagebucheintrag habe ich vor elf Jahren verfasst. Wenn ich ihn mir heute durchlese, muss ich schmunzeln. Damals habe ich lediglich meinen Tagesverlauf und meine Erlebnisse beschrieben. Von Gedanken oder Gefühlen war noch keine Rede. Ich schrieb sogar auf, dass es mir schwerfällt, diese zu Papier zu bringen.

In den späteren Einträgen hielt ich meist nur das fest, was in meinem Leben gerade schwer war. Mit der Zeit kamen dann auch schöne und angenehme Gedanken und Gefühle hinzu. In dieser Phase beschäftigte ich mich intensiver mit den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Wohlbefinden. Ich denke, das hat viel damit zu tun, dass ich mir meiner pessimistischen und schädlichen Gedanken bewusster wurde und lernte eine zuversichtlichere, lebensbejahende Einstellung zu entwickeln. Heute arbeite ich immer noch an dieser Haltung, aber ich freue mich sagen zu können, dass ich darin schon deutlich besser geworden bin.

Da ich auch immer mal wieder gerne meine alten Tagebucheinträge lese, ist es für mich eine schöne Ermutigung zu sehen, dass mein früheres Ich auch schon viele schöne Tage erlebt hat. Das kann dir Hoffnung schenken, wenn du es gerade schwer hast. Die Hoffnung und Gewissheit, dass alles endlich ist und du dich nicht für immer in einem schmerzhaften Zustand befindest.

Schreiben kann auch die Selbstfindung fördern und dich dabei unterstützen, dir das Leben zu erschaffen, das zu deinem Wesen passt. Wenn du zum Beispiel unangenehme Gedanken oder Gefühle, die du zu einer bestimmten Sache hegst, öfter aufschreibst, merkst du irgendwann, dass du die Dinge hinterfragst und vielleicht auch müde davon bist, immer die gleichen unangenehmen Gedanken und Gefühle zu haben. Irgendwann kommst du an den Punkt, an dem du etwas ändern möchtest. Du kommst ins Tun. Wir alle wollen nämlich, dass es uns gut geht. Wir haben ein inneres Bedürfnis danach. Das Tagebuchschreiben ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Tool, um dir über all deine Gedanken, Gefühle und schrägen Verhaltensweisen bewusster zu werden und diese zu verändern ;-).

Jetzt wünsche ich dir viel Freude beim Ausprobieren. Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren. Schreibst du selbst schon Tagebuch? Wenn ja, wie geht es dir damit?

Alles Liebe
Marie-Kathrin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen